Adipositas und Behinderung Selbsthilfe stärken

Adipositas oder krankhaftes Übergewicht ist weit verbreitet – auch unter Menschen mit geistiger Behinderung. Die Diakonische Stiftung Wittekindshof fördert und begleitet Menschen mit geistiger Behinderung und Adipositas. Das Adipositas-Modell Wittekindshof stärkt die Selbsthilfe und eine gesundheitsfördernde Lebensweise. Es wurde 2014 mit dem Gesundheitspreis NRW ausgezeichnet und ist Mitglied der Landesinitiative gesundes Land Nordrhein-Westfalen.

Adipositas-Wohn-Kolleg

Das Angebot des Wohn-Kolleg für Menschen mit Intelligenzminderung und Adipositas wurde aufgebaut, um diese behutsam und vor allem langfristig an einen gesundheitsförderlichen Lebensstil heranzuführen. Über einen begrenzten Zeitraum von maximal anderthalb Jahren wohnen und leben maximal 10 Personen in dem modernen dreigeschossigen Haus nähe der Lübbecker Innenstadt. Ziel für die Teilnehmenden ist, ein ganzheitliches Verständnis für Körper, Geist und Seele zu entwickeln. 

Das Besondere am Wohn-Kolleg

  • Das Angebot ist auf 18 Monate ausgelegt. Dieser Zeitraum ermöglicht den Teilnehmenden, eine Veränderung in ihrem Verhalten nachhaltig zu vollziehen.  
  • Alle Teilnehmenden werden ihren individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen entsprechend begleitet
  • Die Begleitung der Teilnehmenden geschieht auf Basis verhaltenstherapeutischer und systemischer Module. Hierfür werden die unterschiedlichen Aspekte einer Person immer in Wechselwirkung zu ihrer spezifischen Situation betrachtet.
  • Um für jeden Einzelnen das Angebot passgenau zu entwickeln, erfolgt eine enge Vernetzung der jeweiligen Lebensbereiche (Wohnen, Arbeit, Tagesstruktur) und Bezugspersonen, z.B. gesetzlich Betreuende/ Herkunftsfamilien, Psychologischer Dienst, Ärzte (inkl. Ernährungsmediziner), Therapeutische Dienste, Krankenhäuser und Sportanbieter 
  • Die Teilnehmenden lernen nicht, wie bei anderen Maßnahmen, außerhalb ihres Alltags, sie lernen und leben im Alltag gesunde Lebensführung

Das Angebot richtet sich an erwachsene Männer und Frauen mit Intelligenzminderung und Adipositas. Der Body-Mass-Index (BMI) liegt in der Regel über 40 (Adipositas III), wodurch in vielen Fällen eine hohe Gefährdung der Gesundheit vorliegt und ebenso in vielen Fällen Folgeerkrankungen entwickelt wurden. Neben dem BMI Wert ist die individuelle medizinische und soziale Bewertung der Situation zu berücksichtigen. Eine Werkstattfähigkeit bzw. Arbeitsfähigkeit muss vorliegen. Der Personenkreis zeigt ein unkontrolliertes Essverhalten, welches trotz Unterstützungsbemühungen durch professionelle Hilfen (Ernährungsberatung, Aufenthalte in spezialisierten Kliniken, medizinisch/ärztliche Betreuung und Beratung u.a.) dauerhaft zu keiner oder nur geringen Veränderung des Gewichtes und zu keiner Veränderung der Ernährungsgewohnheit geführt hat. Dennoch verfügt der Personenkreis über ein ausreichendes Maß an Einsicht und Bereitschaft, die eigene körperliche Situation verändern zu wollen. 

Die Teilnehmenden erhalten psychologische und medizinische Betreuung durch Spezialisten. Im Rahmen der Wohnkonzeption ist die Gewichtsreduktion der Weg zum Ziel, um letztlich ein ganzheitliches Verständnis für Körper Geist und Seele zu schaffen, das einen gesundheitsförderlichen Lebensstil ermöglicht.

Ziele und Maßnahmen im Einzelnen:
•    Stärkung von Ressourcen, Selbstwert und Körpergefühl
•    Förderung sozialer Kompetenzen und Selbstregulation
•    Förderung der Motivation durch persönliche Zielsetzungen
•    Vermittlung gesundheitsförderlicher Wissensinhalte
•    Kennenlernen psychologisch-pädagogischer Verhaltenskonzepte
•    Förderung der individuellen Krankheits- und Problemakzeptanz
•    Die langfristige Verbesserung des Ess- und Bewegungsverhaltens
•    Bedarfsgerechte Steigerung der Bewegung
•    Verbesserung der Lebensqualität
•    Verminderung von Risikofaktoren
•    Förderung sozialer Kontakte

 

Wie komme ich dahin?
Rezept/ Beratung…? Überweisung durch…? 

Fachkräfte im Bereich Intelligenzminderung, Ärzte, Ernährungsberater, Krankenkassen, Oecotrophologen, Psychologen im Bereich Ernährung, Fachkliniken für Kliniken für Adipositas-Chirurgie, Orthopäden, Diabethologen, Physio- und Ergotherapiezentren
 

Das Adipositas-Wohn-Kolleg bietet in einer Gemeinschaftswohnung, zwei Doppelwohnungen und sechs Einzelappartements Wohnmöglichkeiten für insgesamt 10 Personen.

Die Wohneinheiten sind hell und freundlich ausgestattet. Sie verfügen alle über  
ein eigenes modernes Bad mit barrierefreier Dusche, bodentiefe Fenster und einen eigenen Zugang zu Terrasse oder Balkon. Selbstverständlich können sich alle Bewohnerinnen und Bewohner mit ihren persönlichen Dingen einrichten, um sich in ihrem „Zuhause auf Zeit“ wohlzufühlen.

Dazu gehört auch, dass das Team des Wohnkollegs immer mit besonderer Sorgfalt und Erfahrung die jeweiligen Wohn-Settings zusammenstellt. 

Das dreigeschossige Wohn-Kolleg liegt in einer Neubausiedlung am Stadtrand von Lübbecke. Die Innenstadt ist fußläufig in 20 Minuten zu erreichen. Eine Bushaltestelle mit direkter Verkehrsanbindung nach Minden (und Lübbecke?) ist zwei Gehminuten entfernt.

Weitere Infos? (Außengelände u.ä.)

Ihr Kontakt

Diakonin Christine SteinmeierBereichsleitung

Geschäftsbereich Wohnen 6
Wohnhaus Garnisonsring

Garnisonsring 33
32312 Lübbecke

Adipositas-Sprechstunden und Selbsthilfegruppen

In Gronau, Lübbecke, Bad Oeynhausen und Minden bieten Psychologinnen und Psychologen Adipositas-Sprechstunden an. Dort treffen sich begleitete Selbsthilfegruppen. Die Mitglieder erarbeiten gemeinsam Grundlagen zur gesunden Ernährung und Bewegungsförderung. Bei den Treffen werden zum Beispiel alternative Rezepte ausprobiert und Sportangebote vorgestellt. Wichtig sind der Austausch und die gegenseitige Motivation. Manchmal ist es schon eine Hilfe, sich zum gemeinsamen Einkaufen zu verabreden und öfter die Treppe statt den Aufzug zu nehmen.

Beratung und Schulung des Umfeldes

In allen Wohnbereichen ist ein Mitarbeitender als Beratende Fachkraft Adipositas ausgebildet. Sie geben ihr Fachwissen im direkten Lebensumfeld der Menschen mit Übergewicht weiter und unterstützen die Mitarbeitenden bei der Teilhabe- und Hilfeplanung.